Thursday, 25. june 2009 4 25 /06 /Juni /2009 12:36

Jetzt ist es wohl bald so weit. Mache mir doch ernsthafte Gedanken, dass ich langsam meinen letzten noch übrig geblieben Verstand verliere. Vielleicht interpretiere ich auch zuviel in meinen Nervenbahnen hinein?

Meine Vergesslichkeit nimmt doch abstruse Formen an, die mir vorher so noch nie passiert sind. Wie alles fängt es harmlos an. Schlagmäßig vergesse ich bei meinen Einkäufen die wichtigsten Sachen. Kann ja schon mal passieren. Wie ist es mit einem Einkaufszettel? Immer ohne ausgekommen. Will meinen Kopf ja in Bewegung halten, aber irgendwie funktioniert es nicht mehr.

Gesichter konnte ich mir nie so gut merken, dafür hatte ich immer ein gutes Zahlengedächtnis. Zahlen in allen Variation sind immer in meinem Kopf hängen geblieben. Nun passiert es immer häufiger, dass ich meine Geheimnummer am Geldautomaten vergesse, Telefonnummern im Kopf gelöscht sind u.s.w. ist mir auch vorher nie passiert.

Gestern und Heute war ein Paradetag meiner geistigen Umnachtung. Habe erst heute früh gemerkt, dass mein Schlüssel verschwunden war, hektisch alles abgesucht, wo war der blöde Schlüssel, steckte von außen an meiner Haustür, nun ja, so hatte jeder freien Zutritt zu meiner Wohnung, hat nur keiner in Anspruch genommen. Gott sei Dank.

Für meine heutigen Einkäufe benötigte ich etwas Kleingeld, also machte ich mich auf zum nächsten Geldautomaten, Geheimnummer fiel mir partout nicht mehr ein, Vorgang abgebrochen und wollte halt mit meinem Restgeld einkaufen. Unterwegs ist mir dann wieder ein Geistesblitz gekommen und die Nummer war wieder vor meinen geistigen Auge, auf zum nächsten Automaten, steckte die Bankkarte rein und merkte, dass Dieser defekt war, jetzt kann man mich totschlagen, ich weiß nicht mehr, ob ich die Karte rausgenommen habe oder stecken ließ. Erst bei Aldi merkte ich, dass meine Karte verschwunden war, also alles noch mal abgeklappert, Karte hat sich aufgelöst, zur Sparkasse gefahren, Karte sperren lassen und neue beantragt.

In allen Belangen spüre ich, dass meine Gedächtnisleistung doch sehr abbaut. Mich zu konzentrieren, macht unheimlich Mühe. Zwinge mich, meine Gedanken aufzuschreiben, geht mir auch nicht mehr so locker von der Hand. Für ein paar Sätze zu formulieren brauche ich eine Ewigkeit, vor einem Jahr noch sprudelte es aus mir förmlich heraus.
 

Kann nur hoffen, dass diese Erscheinungsbilder nicht Überhand nehmen, hat mir noch gefehlt, dass ich neben meinen anderen Problemen sich ein Neues seinen Weg in mir sucht. Diese paar Zeilen machen mir solch eine Mühe, dass ich mich ins Bett begebe und penne.

Gute Nacht

Udo

von Udolein - veröffentlicht in: Juni 2009 - Community: Alltagswahnsinn
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Tuesday, 23. june 2009 2 23 /06 /Juni /2009 23:17



Nun, habe heute mit Mühe und Not meinen Hintern doch wieder hoch bekommen. Ist schon ein Krampf sich zu überwinden, um seinen "gestählten Körper" ein wenig Sport zuzuführen. Nach all den Depressionen, eingebildeten körperlichen Schmerzen und noch einige nicht so tollen Gedanken im Kopf, wollte ich einfach den ganzen Mist ein Ende setzen.

Alleine die morgendliche Körperhygiene fiel mir schon auf den Keks.
Trotzdem die Reinigung geschafft, musste allerdings mir eine Pause gönnen, war schon fast wieder im seligen Schlummerland. Einfachste Dinge fallen mir mittlerweile immer schwerer. Wollte es aber wissen, also kurz entschlossen meinen Drahtesel geschnappt und ziel- u. rastlos ging‘s dann ab.

Schon nach den ersten Metern schnaubte ich, wie ein altes Walross. Wohin soll den die Reise gehen? Nach kurzem überlegen, habe ich mich für eine 3 Länder Rundfahrt entschieden. Deutschland, Niederlande, Belgien. Ziel programmiert und weiter strampeln.

Zwischendurch wollte ich schon zum Mörder werden, meine Lieblingsfeind, der Autofahrer an sich, parkte einige Male die Fahrradwege zu, einer dieser Brüder und Schwester kam aus einer Nebenstraße geschossen und schenkte mir keine Aufmerksamkeit - Vollbremsung, noch mal Glück gehabt. Nervend, immer wieder abzusteigen, weil irgendein Trottel alles zuparkte. Schlussendlich ist es nicht zum Mord gekommen, weil meine pazifistische Seele gewonnen hat, aber die Gedanken gingen schon durch den Kopf. Na ja abhacken und weiter.

Völliger Frieden in meinem Kopf und Seele ist dann aufgekommen, als ich durch Wäl der und Wiesen strampeln konnte. Mal richtig durchatmen und die verschiedenartigsten Gerüche aufnehmen, ja das war Balsam. Gleich merkte ich auch, dass sich bei mir Spannungen lösten und ich viel trittsicher wurde. Kein Mensch zu sehen, ja da lohnt es sich doch mal eine befreiende Schreitherapie anzuwenden. Kurz entschlossen brüllte ich, hoffentlich nicht weit hörbar,
                                       "Ihr könnt mich Alle!"
Jedenfalls habe ich keine Menschenseele getroffen und hat dazu beigetragen, dass es mir immer besser ging.

Meine erste Station war dann die südlichste Stadt in den Niederlanden Vaals. Eine alte Hochburg der Schmugglerzeit. Zur heutigen Zeit lohnt sich nur noch Kaffee. Bin aber trotzdem einen Supermarkt angefahren und habe gleich 6 Pakete Jacobs-Krönung mild für je 2,99€ eingekauft. Nach einer kurzen alkoholfreien Getränkepause ging es weiter.

 

 

 

 

 

Für meinen zur Zeit konditions- schwachen Körper stand eine Herausforderung bevor. Der Aufstieg zum höchsten Berg der Niederlande - den Vaalser Berg (321m). Immerhin ging es knapp 3 km ziemlich steil hoch und mein Gekeuche war ringsum doch sehr wahrnehmbar, habe mich aber trotzdem nicht beirren lassen und habe den Kampf angenommen. Mein Kämpferherz hat nicht aufgegeben und bin ohne abzusteigen den Weg, mehr schlecht als recht, hochgefahren.

Puuuh, geschafft. Ströme von Schweiß entluden sich, als ich mein Fahrrad abstellte. Kleine Rast, ein Milchkaffee im Restaurant zu mir genommen, ja dann stand ich auf dem Dreiländereck, tolle Aussichten nach Aachen, Belgien und Niederlande. Mit meinen massigen Körper war ich gleichzeitig in 3 Ländern - ist doch mal was.

Die Rückfahrt konnte ich, bis auf die oben genannten nervenden Autofahrer, dann doch halbwegs zu Ende bringen. Ziel erreicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Etwas über 3 Stunden radeln, habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Blutdruck war zwar im Keller und ich war dermaßen fertig, dass ich sofort eingeschlafen bin, trotzdem war es für mich persönlich eine Herausforderung, die ich mal zu Ende bringen konnte und mir gut tat. Hoffe jetzt nur noch, dass ich es schaffe etwas regelmäßiger Sport zu treiben. Der erste Schritt ist getan, den kleinen Teufel zu überwinden.

Sich zu überwinden, überhaupt etwas in Angriff zu nehmen fällt mir persönlich doch recht schwer, aber hat man es geschafft den Schritt zu machen, dann geht es mir doch wieder gut. Trotzdem ist es immer wieder ein Kampf sich den kleinen Herausforderungen des Alltags zu stellen. Vielleicht lerne ich irgendwann, die schönen Dinge dieser Welt zu genießen.
Gut Nächtle

Udo


Paul Fleming
(* 5. Oktober 1609 in Hartenstein, Sachsen; † 2. April 1640 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Paul Fleming gilt als einer der bede utendsten Lyriker des deutschen Barock



An sich

Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren!
Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid,
Vergnüge dich an dir, und acht es für kein Leid,
Hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.
 
Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren,
Nimm dein Verhängnis an, lass alles unbereut.
Tu, was getan sein muss, und eh man dirs gebeut.
Was du noch hoffen kannst das wird noch stets geboren.
 
Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke
Ist sich ein jeder selbst. Schau alle Sachen an:
Dies alles ist in dir. Lass deinen eitlen Wahn,
 
Und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist, und sich beherrschen kann,
Dem ist die weite Welt und alles untertan.
 
Paul Fleming

 

von Udolein - veröffentlicht in: Juni 2009 - Community: Wege des Lebens
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